Platz für Picasso und Projekte - Kulturstadt Münster bietet Raum für Positionen der bildenden Kunst

Der Lithograf Pablo Picasso hat in Münster einen Wohnsitz in bester Citylage. Hoch über den Dächern der Stadt experimentieren freischaffende Künstler im spröden Ambiente eines ehemaligen Kornspeichers. In einer ausgedienten Kaserne entfalten Meisterschüler der Kunstakademie viel versprechende Positionen bildender Kunst. Auf dem Gelände einer ehemaligen Industriebrache hat sich die alternative Szene ihren „Kunstpalast am Hawerkamp“ ertrotzt.

Keine Frage - die Stadt der “skulptur projekte” hat sich längst einen Namen als vitale Kunstmetropole erobert. 27 Museen, vom Archäologischen Museum bis zum Pferdemuseum, laden in Münster zum Entdecken ein. Abseits musealer Strukturen bitten über 30 Galerien zum Dialog mit Gemälden, Plastiken und Installationen.

Das Graphikmuseum Pablo Picasso: Seit dem Jahr 2000 werden im ersten Picasso-Museum in Deutschland bedeutende Lithografien gezeigt. Wechselausstellungen beleuchten das Leben und Werk des berühmtesten Malers des 20. Jahrhunderts und das seiner Zeitgenossen. Jüngster Coup: Bis zum 12. August ist das Musée Picasso Antibes mit 120 seiner spektakulärsten Werke in Münster zu Gast. Wegen Umbau haben die großformatigen Gemälde, Zeichnungen und Keramiken erstmals Antibes verlassen. Die farbenfrohen Objekte Picassos atmen die wohl glücklichste Schaffensperiode der Zeit seiner Liebe zu Francoise Gilot. Sie beflügelte die unbändige Schöpferkraft des spanischen Genies. Münster ist die einzige Ausstellungsstation in Deutschland. Die Besucherzahlen brechen Rekorde.

Die Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst: Im industriellen Ambiente des Speichers II am Hafen entwickeln seit 2004 auf 1000 Quadratmetern Projektfläche internationale wie regionale Kunstschaffende experimentelle Tendenzen bildender Kunst. Dieser Ort urbaner Unaufgeräumtheit gewährleistet in Werkstatt-Atmosphäre ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit, macht Wagnisse möglich. Bis zum 26. August zeigt sie die dreiteilige Multi-Channel-Video- und Fotografie-Installation „the return of the real“ von Phil Collins. Der britische Fotograf und Videokünstler, er wurde 2006 für den Turner Prize nominiert, untersucht die Versprechen und Täuschungen von Talkshows, Vorher/Nachher-Shows und Reality-TV. Collins` komplexe Installation entlarvt die Macht und die Autorität der Medien, die Opfer zu Komplizen macht und die Zuschauer zu Gläubigen.

Der Atelierspeicher: Unterhalb der Ausstellungshalle im Speicher II haben auf vier Etagen öffentlich geförderte 32 Künstlerateliers Platz. Sie bieten mit preiswerten Mieten freischaffenden jungen Künstlern professionelle Arbeitsbedingungen.

Der Initialraum im Stadthaussaal: In Kooperation mit der Ausstellungshalle beleben fünf Künstler am Beginn ihrer Laufbahn einem temporären Ausstellungsraum am Rathaus. Sie wollen mit jungen, frischen Arbeiten wie Raumobjekten, Videoarbeiten, Textfragmenten auf Wänden wenig kategorisierte Kunst außerhalb des etablierten Kunstbetriebs vor Augen führen.

Das Stadtmuseum: Das Museum thematisiert einen Ort bedrückender Symbolik: den Zwinger an der Promenade, im NS-Regime Stätte für Verbrechen. Seit der “skulptur 87″ erinnert die kinetische Installation von Rebecca Horn an die Opfer von Gewalt. „Das gegenläufige Konzert“ ist eine der eindringlichsten und eine der bedeutendsten Skulpturen Münsters. Zugleich widmet das Stadtmuseum eine zweite Ausstellung der bildenden Kunst. Vorgestellt werden Aufnahmen, die Barbara Klemm, langjährige FAZ-Fotografin, während der “skulptur projekte `97″ ablichtete. Die gebürtige Münsteranerin hat die Einbettung der Kunstwerke in den öffentlichen Raum in den Focus genommen.

Das Museum für Lackkunst: In einer Bürgervilla hat die BASF Coatings AG 1993 das weltweit einzigartige Museum für Lackkunst eröffnet. Rund 100 Objekte aus Ostasien, Europa und der islamischen Welt aus mehr als zwei Jahrtausenden werden dort gezeigt. Sonderausstellungen vertiefen Aspekte der traditionellen wie der zeitgenössischen Lackkunst.