Theaterfestival euro-scene Leipzig bringt den Taumel auf die Bühne und stellt den Choreografen Josef Nadj in einer Werkschau vor

Die euro-scene Leipzig findet vom 04. – 09. November 2008 zum 18. Mal statt. Unter dem Motto »Taumelnd auf glatter See« widmet sich das Festival zeitgenössischen europäischen Theaters dem Gegensatz von glatter Oberfläche und sich dahinter verbergenden Katastrophen, sei es im psychologischen oder gesellschaftlichen Bereich. Vorgesehen sind 12 Gastspiele aus 8 Ländern in 22 Vorstellungen und 9 Spielstätten. Die Schirmherrschaft übernahm Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig.

»Ein ruhiges Gewässer wirkt so idyllisch wie auch unheimlich und beängstigend. Überspielte Unsicherheiten, verkrampfte Wahrung des schönen Scheins und die immer hektischer werdende Suche nach Lebensinhalt bestimmen unser Dasein. Das diesjährige Festival will sensibilisieren für den Taumel und Mut machen zum Eingeständnis von Schwäche. Das Glatteis des Daseins beinhaltet die glitzernde Fassade ebenso wie die latente Gefahr des Durchbrechens«, so Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff. Die Bandbreite der Produktionen umfasst Tanz- und Sprechtheater sowie Zwischenbereiche performativer Kunst und musikalischer Bühnenformen.

Erstmals stellt das Festival einen Künstler mit einer Werkschau vor: Josef Nadj, einer der bedeutendsten Choreografen Europas, stammt aus Ex-Jugoslawien. Er leitet seit Jahren das Centre chorégraphique national in Orléans und wird die euro-scene Leipzig mit der Deutschlandpremiere seines neuesten Stücks »Entracte« (»Pause«) in der Peterskirche eröffnen. Außerdem sind seine wunderbar skurrilen Produktionen »Woyzeck« und »Journal d’un inconnu« (»Tagebuch eines Unbekannten«) sowie Filme und eine Ausstellung zu sehen.

Ein weiterer Höhepunkt des Festivals ist das neue Tanzstück von Alain Platel, der bereits mehrfach Gast der euro-scene Leipzig war. Mit seiner Compagnie Les Ballets C. de la B., Gent, zeigt er »pitié!« (»Erbarme Dich!«), inspiriert durch Bachs »Matthäuspassion« in einer modernen Bearbeitung von Fabrizio Cassol. Neben mehreren Deutschlandpremieren aus Budapest, Athen und dem bulgarischen Haskovo gibt es ein Wiedersehen mit dem Orphtheater Berlin sowie ein mitreißendes HipHop-Tanzstück der Compagnie E-Motion, Düsseldorf. Die diesjährige Carte blanche für ein Gastspiel ging an Tilmann Broszat, künstlerischer Leiter des Festivals SPIELART, München, der die Spanierin Cuqui Jerez einlud.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm, bestehend aus Filmen, Gesprächen und einem Workshop, ergänzt die Gastspiele. Erstmals kreierte die euro-scene Leipzig eine eigene Vorverkaufskasse, die sich – ebenso wie das Festivalcafé – im Café-Restaurant Telegraph befinden wird. Der Vorverkauf beginnt am Samstag, 27. September 2008.

Die euro-scene Leipzig wurde 1991 gegründet und bringt alljährlich im November experimentelles Theater und innovativen Tanz aus ganz Europa nach Leipzig. Sie gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Festivals dieser Art in Europa.