Feuer und Erde: Chinesische Keramik aus dem Bestand des Museums für Ostasiatische Kunst Köln (ca. 3500 v. Chr. – 1400) - Museum für Ostasiatische Kunst in Köln

Laufzeit: 18. Oktober 2008 bis 26. April 2009

Feuer und Erde gehören in der daoistischen Philosophie zu den “Fünf Wirkkräften” oder “Wandlungsenergien” (wu xing), durch die der Kosmos und alle Naturphänomene erzeugt, kontinuierlich verwandelt und in der Balance gehalten werden. Feuer und Erde lassen aber auch Keramik entstehen. Dies war eine der genialen Entdeckungen der frühen Menschheit, die in China sehr früh zur Perfektion gelangte.

Die Kreativität der frühen chinesischen Töpfer lässt sich zum Beispiel daran ablesen, dass sie bereits im späten Neolithikum die schnell rotierende Töpferscheibe kannten und schon in der Bronzezeit in der Lage waren, aus gemahlenem Berggestein das für die Porzellanherstellung erforderliche Kaolin (gaoling) zu gewinnen. Inzwischen zählt dieser Begriff zu den wenigen chinesischen Fremdwörtern im Wortschatz der europäischen Sprachen. Wegen ihrer Dauerhaftigkeit war Keramik auch ideal zur Fertigung von Grabbeigaben geeignet, die den Verstorbenen als Symbole diesseitigen Wohlstands “Glück ohne Ende” im Jenseits bescheren sollten.

Schon ab Mitte des 8. Jahrhunderts galten keramische Gefäße nicht mehr ausschließlich als praktische Gebrauchsgegenstände. Erlesene Stücke bewunderte man wegen ihrer ästhetischen Qualität und ihres Charakters, der sich in Form, Glasur und Dekor ausdrückt. Als Sammelobjekt nachgefragt und vom Kaiserhof als Tributgabe weitergereicht, hielt die Keramik Einzug in die Kunst.
Die chinesische Frühkeramik zählt zu den Sammlungsschwerpunkten des Kölner Hauses, das im Jahr 2009 sein 100-jähriges Gründungsjubiläum feiert. Größtenteils wurden die Objekte durch Pioniere wie den Museumsgründer Adolf Fischer (1857-1914) oder den Gründer der Orientstiftung zur Förderung der Ostasiatischen Kunst, Hans Wilhelm Siegel (1903-1997), zu einer Zeit in China zusammengetragen, als auch dort das Wissen über die Geschichte der Keramik noch sehr begrenzt war. Jiena Huo, Absolventin der Beijing Universität und Spezialistin auf dem Gebiet der Keramik, hat die rund 1200 Stücke umfassende Kollektion über einen Zeitraum von drei Jahren gesichtet, selektiert und systematisch bearbeitet. Das Ergebnis ist eine Auswahl von 214 Objekten, die eine Zeitspanne von rund fünftausend Jahren vom Neolithikum bis zur Yuan-Dynastie (ca. 3500 v. Chr. – 1400) umfasst. Zahlreiche Stücke, deren Zuordnung bisher unklar bzw. fehlerhaft war, konnten neu bestimmt werden. Einige in ihrer Bedeutung unterschätzte Objekte wurden regelrecht neu entdeckt und hinzu gewonnen. Die Stadt Köln dankt dem Fördererkreis des Museums für Ostasiatische Kunst, der das Projekt durch sein Stipendium zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ermöglicht hat.

Dem Museum ist es ein besonderes Anliegen, Irene Ludwig zu danken. Die von Peter und Irene Ludwig zusammengetragene Sammlung chinesischer Keramik ist auf Grund ihrer herausragenden Qualität und Bedeutung ein unverzichtbarer Bestandteil des Kölner Hauses geworden. Ausstellung und Katalog lieferten den Anlass, mit Irene Ludwig einen Dauerleihvertrag zu schließen.

Eine Sensation stellen weiterhin die kalt bemalten Figuren von Grabwächtern, berittenen Kamelen und Pferden des 6. bis 8. Jahrhunderts dar, die ein Privatsammler aus Köln dem Museum zur Verfügung gestellt hat. Sie werden in dieser Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Bankhaus Sal. Oppenheim trug großzügig zur Druckfinanzierung des Katalogs bei und setzt damit eine bald 100-jährige Tradition fort. Der umfangreiche und reich bebilderte Katalog zur chinesischen Frühkeramik im Museum für Ostasiatische Kunst ist zum Preis von 32,80 Euro an der Museumskasse erhältlich (Versand: zzgl. Mwst. und Versandkosten).
Der Eintritt in die Ausstellung beträgt 6,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Das Familienticket für zwei Erwachsene und bis zu zwei Kinder unter 14 Jahren kostet 13,50 Euro.

Am Samstag, den 18 Oktober 2008, bietet der Museumsdienst in der Zeit von 14 bis 17 Uhr öffentliche Führungen durch die Ausstellung an sowie ein Programm für Kinder und Jugendliche im Museumsfoyer. Besucher zahlen nur den Museumseintritt. Nähere Informationen können im Internet auf der Seite www.museenkoeln.de/mok unter Veranstaltungen abgerufen werden.