„Rauhnacht is“ im Bayerischen Wald

Es gibt Nächte im Bayerischen Wald, die sind nicht wie die anderen. Dunkel sind sie, die Rauhnächte und geheimnisvoll. In diesen Nächten, sagt der alte Volksglaube, steht das Geisterreich offen und die Seelen der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen ziehen um die Häuser, die wilde Jagd geht um. Wer um Mitternacht in den Stall geht, hört dort angeblich die Tiere sprechen und von der Zukunft künden. Viel Aberglaube rankt sich um die Rauhnächte. Doch die bösen Mächte sind nicht unbesiegbar: Mit Kettenrasseln und Schellengeläut, in Felle gehüllt und das Gesicht hinter kunstvoll geschnitzten Masken verborgen, werden die Geister vertrieben. Dieses Spektakel hat nicht nur Tradition, sondern auch Unterhaltungswert, gleichermaßen für Einheimische wie Urlaubsgäste.

Wild und aufregend geht es bei der Rauhnachtsparty in Sankt Englmar am 28. Dezember zu. Unter großem Geläut, Getrommel und Peitschengeknall ziehen die „Wuide Jagd“ und ihre gruseligen Gesellen am frü-hen Abend in den Ort ein. Eine „raue Nacht“ bricht am 5. Januar 2009 auch in Waldkirchen an. Mit Einbruch der Dunkelheit bringen Hexen, Tod und Teufel gruseliges Leben in die Stadt und treiben es heu-lend, lärmend und schaurig-schön im Fackelschein. Die kunstvoll angefertigten Masken symbolisieren hier wie auch bei der Frauenauer Rauhnacht am Faschingssamstag, 21. Februar 2009, die Wiederkehr der sündigen Seelen, die in diesen Winternächten vergeblich um Erlösung suchend durch das Land brausen. Seinen Anfang nimmt der winterliche Brauch im Bayerischen Wald bereits am Abend vor St. Martin, wenn in Orten wie Bodenmais, Freyung, Lalling, Rinchnach oder Neuschönau die Wolfauslasser und Goaßlschnalzer durch die Straßen ziehen. Das Wolfauslassen stammt aus der Zeit, in der Hirten das Vieh auf den Bergweiden des Bayerischen Waldes vor Bären und Wölfen schützen mussten. Dazu hängte man den Kühen große Glocken um den Hals, die Hirten schlugen von Zeit zu Zeit mit einer Goaßl – einer Art Peitsche – und verursachten höllischen Lärm. Wenn das Vieh am Ende des Jahres wieder gesund im Stall stand, wiederholten die Hirten als Zeichen der Freude und um den ihnen zustehenden Lohn einzufordern das Getöse im heimischen Dorf. Die größte Brauchveranstaltung dieser Art findet in Rinchnach statt.