Private Wohnhäuser und Audio- Guide - Das Bauhaus in Jena

Zwei im Original erhaltene Bauhaus-Villen, eine dem Bauhaus-Stil verpflichtete moderne Industrie-Architektur, Bauhaus-Design aus den Jenaer Schott-Werken und kostbare Bauhaus-Werke in der Jenaer Kunstsammlung: Mit diesen Bauhaus- Sehenswürdigkeiten präsentiert sich die Universitätsstadt Jena im Bauhausjahr 2009.

„Kommen Sie ruhig herein.“, sagt Frau Dr. Barbara Happe und öffnet ihre Haustür zum Haus Auerbach in der Schaefferstraße 19. Die 1924 für den Wissenschaftler Felix Auerbach und seine Frau erbaute Jenaer Villa ist nur eine der sechs privaten Wohnhäuser, die Walter Gropius in Deutschland baute. Heute wohnen die Kulturwissenschaftlerin und ihr Mann in dem nach dem
Baukastenprinzip gebauten Haus. Die Bauhaus- Fans haben das Haus wieder vollständig rekonstruiert und die Raumstruktur erhalten. Dazu erstrahlt die Villa in seinen ursprünglichen 37 Farbtönen und zeigt sich mit flachen, teilweise begehbaren Dächern, horizontalen Fensterbändern, Einbauschränken, Sulfitten- Leuchten und dem vollverglasten Wintergarten. Besichtigungen sind auf Anfrage möglich.

Einen umfassenden Blick auf die Bauhaus- Häuser in Jena und ihre Geschichte gibt’s beim zweistündigen Stadtrundgang „Henry van de Velde und die Bauhauskünstler“ und bei einem Rundgang mit dem Audioguide „Augenklang“. Die Audiowanderung führt zu sieben Gebäuden von Bauhausarchitekten, wobei man davorstehend extra für dies Bauten komponierter Musik lauschen kann. Dazu gehören neben der Villa Auerbach unter anderem auch das Haus Zuckerkandl, das ebenfalls von Walter Gropius entworfen wurde, das Abbeanum der Friedrich- Schiller- Universität oder die Mensa im Philospohenweg 20, die nach einem Entwurf von Ernst Neufert und Otto Bartning geschaffen wurde. Ausleihe: Stadtmuseum Jena, ab April 2009 Dienstag bis Sonntag 10 bis 15 Uhr.

In den Stadtführungen erfahren Besucher auch, warum gerade Jena so wichtig wurde für die Bauhaus- Meister. Alle Bauhaus-Künstler, wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky, und viele ihrer Schüler zeigten von 1917 bis 1932 in Jena ihre Arbeiten in rund 20 Ausstellungen; einige Werke wurden Teil der Jenaer Kunstsammlung. Walter Gropius und Adolf Meyer planten das Jenaer Theater als erstes öffentliches Gebäude des Bauhauses überhaupt. Erich Schott holte Gerhard Marcks und später Wilhelm Wagenfeld nach Jena: Mit dem Bauhaus-Design und der Werbegraphik von László Moholy-Nagy wurde das feuerfeste Jenaer Glas schließlich in der ganzen Welt bekannt und zum Inbegriff Moderner Gestaltung und Lebensweise.

In der Ausstellung „Das Bauhaus in Jena“ vom 22. März bis zum 7. Juni 2009, im Stadtmuseum werden Werke aller Bauhaus-Künstler, Bauhaus-Design und Werbegraphik sowie originale Pläne und Modelle der Bauhaus-Häuser aus Jena gezeigt. Das heute nicht mehr existierende Jenaer Stadttheater wird mit einem detaillierten Modell wieder anschaulich. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den engen Beziehungen der Bauhaus-Meister zum Jenaer Kunstverein und seinen Ausstellungsleitern Eberhard Grisebach und Walter Dexel. Der Eintritt in die Ausstellung kostet 9,- Euro und beinhaltet die jena.bauhaus CARD, mit der der Eintritt zu weiteren 65 Thüringer Einrichtungen kostenfrei möglich ist. Ein weiterer Ausstellungshöhepunkt ist vom 6. September bis zum 22. November 2009 die Exposition „Wassily Kandinski – Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafik“. Die Ausstellung wird an Kandinskys Ausstellungen im früheren Jenaer Kunstverein anknüpfen und damals hier gezeigte Werke in den Mittelpunkt rücken.

Zu den Ausstellungen kommen im Bauhausjahr in Jena noch jede Menge Veranstaltungshöhepunkte dazu. Am 13./14. Februar 2009 findet das Eröffnungskonzert des Bauhausjahres in Jenaer Volksbad statt. Im besten Sinne zeitgenössisch ist das musikdramatische Werk „Hydrogen Jukebox“, das 1990 in Charleston/USA Weltpremiere feierte. Bei der Langen Nacht der Museen Jena „90 Jahre Bauhaus“ am 15. Mai 2009 werden Jenaer Jugendliche unter anderem aktuelle Produkte auf ihre Funktionalität nach den Bauhaus-Prinzipien prüfen. Am 12. September 2009 findet dann das Bauhaus-Fest in Jena: „Ventil kreativ“ statt. Eine eigene Band, geladene Musiker und ein DJ, der mit jazzigen Schellackplatten hantiert, garantieren eine spritzige Ballnacht, die keinen Stuhl warm werden lässt. Dazu das Tanztheater im „Schwarzlicht“, der Volksbadsaal in Gelb-Rot-Blau und auf dem Parkplatz gibt sich die Kleinkunst dadaistisch. „Das mechanische Ballett“ wird am 13. November 2009 im Jenaer Theaterhaus aufgeführt.