Besuch bei der Bauhaus- Handweberin, Führungen und Ausstellungen - Das Bauhaus in Erfurt

Das Haus liegt ganz oben, am Ende der Straße. Gebaut wurde es 1939 nach einem Vorentwurf des Bauhäusler Konrad Püschel und der Eigentümerin: Margaretha Reichardt. Damals war das Haus der Bauhaus- Handweberin lange das einzige Haus am Kirchberg mit rundherum freier Sicht auf die Landschaft und die Natur. Christine Leister erzählt diese Episode gern den Besuchern des Margaretha Reichardt Hauses in Erfurt. Sie lernte bei der Bauhauskünstlerin in ihrem Wohn- und Werkstatthaus und blieb.

Heute gehört das Haus zum Angermuseum in Erfurt und kann auf Voranmeldung besichtigt werden. In der Diele des Wohnhauses, im Wohn- und Bücherzimmer, kann der Besucher die Aura des Bauhauses erleben. Zu sehen sind Teppiche und Gobelins von Margaretha Reichardt auf den Fußböden und an den Wänden. In der Werkstatt des Hauses erklärt Christine Leister den Besuchern gern die Kunst der Handweberei und demonstriert die Funktionsweise der Originalwebstühle aus der Bauhauszeit. Die Ausstellung im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken ab 12. September 2009 zeigt Margaretha Reichardt in ihrer Entwicklung von der Bauhausschülerin zur Meisterin der Textilkunst.

Thüringens Landeshauptstadt Erfurt präsentiert im Bauhausjahr seine bisher noch weniger bekannte Geschichte. In den 1920er Jahren wurde es selbst zum Zentrum des kulturellen Umbruchs. Vor allem Mäzene wie Alfred Hess und der Erfurter Kunstverein boten den Bauhäuslern wichtige Podien zur Präsentation ihrer Werke. Die Villa des Fabrikanten Alfred Hess wurde Treffpunkt von Bauhäuslern wie Lyonel Feininger, Paul Klee oder Gerhard Marcks. Dazu kamen die von ihm beauftragten Geschäftshäuser in der Innenstadt. Bei der Stadtführung „Auf den Spuren des Bauhauses in Erfurt“ erfahren die Besucher mehr über die Bauhausarchitektur der Stadt und lernen die typischen Bauwerke dieser Zeit kennen.

Dazu präsentiert die Stadt ein umfangreiches Programm mit beeindruckenden Ausstellungen. Vom 29. März bis 24. Mai 2009 findet in der Kunsthalle Erfurt im Haus zum Roten Ochsen die Ausstellung KUNSTLICHTSPIELE - Lichtästhetik der klassischen Avantgarde statt. Höhepunkt der Ausstellung ist die Rekonstruktion des „Raumes der Gegenwart“, der 1930 von László Moholy-Nagy entworfen wurde. Dieser Raum, mit den Maßen 3,5 x 5,7 x 8,1m wurde nie realisiert und wird in Erfurt mit dem Licht-Raum-Modulator (Rekonstruktion) gezeigt.

Die Ausstellung „Streit ums Bauhaus“ - Das Weimarer Bauhaus in den Kontroversen seiner Zeit vom 7. Juni bis 2. August 2009 ebenfalls in der Kunsthalle Erfurt zeigt anhand von Bildern, Skulpturen und Graphiken streitbare künstlerische Positionen, mit denen das Bauhaus von außen
konfrontiert wurde.