72. Warnemünder Woche und 19. Hanse Sail Rostock: Zwischen hochklassigem Segelsport und Schiffen mit historischem Tiefgang

Für mehr als anderthalb Millionen Besucher wird der maritime Rostocker Sommer 2009 ein attraktives Programm am und auf dem Wasser bieten. Höhepunkte sind die 72. Warnemünder Woche vom 4. bis 12. Juli und die 19. Hanse Sail vom 6. bis 9. August: Von packenden Segelsport-Wettbewerben über die Fahrt von mittelalterlichen Koggenrepliken zur Hanse Sail bis zu Segelmanövern des größten noch aktiven Traditions-segelschiffes der Welt, der 88-jährigen russischen „Sedov“ (117 m).

Sportliches Segeln vor Warnemünde
Während der 72. Warnemünder Woche Anfang Juli werden über 2000 Segler aus 30 Nationen in 25 verschiedenen Bootsklassen in einem der anspruchvollsten Wasserreviere Nordeuropas spannende Wettkämpfe auf hohem Niveau zeigen. Programm-Höhepunkte sind unter anderem die Surfer mit der Weltmeisterschaft für Raceboards, den Internationalen Meisterschaften der Neil:X Pryde, BIC Techno und Raceboards oder die seegehenden Yachten mit der Langstrecken-Regatta rund Bornholm. Für Entspannung nach den Wettkämpfen sorgen die Warnemünder mit vielen guten Einfällen für eine schöne maritime Party an Land, unter anderem mit dem Warnemünder Ümgang, dem Waschzuber-Rennen oder den Rostocker-Beach-Partys am Warnemünder Strand.

Maritime Tradition und Moderne
Für Liebhaber von Traditionsseglern und Museumsschiffen gehört die Hanse Sail Rostock seit fast zwei Jahrzehnten zu den ersten Adressen in der Ostsee und darüber hinaus. Am zweiten August-Wochenende wird es hier wieder eine äußerst lebendige „Maritime Weltausstellung“ mit Schiffstypen geben, die ein halbes Jahrtausend Schiffbau- und Schifffahrtsgeschichte präsentieren. Sie wird eindrucksvoll durch die „maritime Moderne“ in Form von Kreuzlinern und Fährschiffen ergänzt. Zum maritimen Rostocker Sommer gehören von Mai bis September die Anläufe von 108 Kreuzfahrtschiffen.

Faszinierende Augen- beziehungsweise Meerblicke sind für die Rostocker und ihre Gäste naturgemäß die Windjammer und Großsegler. Neben der „Sedov“ werden unter anderem die russische „Mir“ (108 m), ihr polnisches Schwesternschiff „Dar Mlodziezy“, oder die norwegische „Sørlandet“ (64 m) ihre Segelpracht vor Warnemünde entfalten. Auch „Neulinge“ auf der Hanse Sail, wie die niederländische Brigg „Morgenster“ (49 m), genießen besondere Aufmerksamkeit.

Die seit 1991 bestehende enge Verbundenheit zwischen der Hanse Sail Rostock und der Deutschen Marine wird auch in diesem Jahr nicht nur wieder durch den „Offenen Stützpunkt“ in Höhe Düne oder durch das Open-Ship der Grauen Schiffe, sondern auch durch die wiederholte Präsenz des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ dokumentiert.

Die Sail-Organisatoren hoffen darüber hinaus auf Segelschiff-„Zuwachs“, insbesondere durch die günstige Konstellation: Die Hanse Sail schließt direkt an die von der Sail Training International (S.T.I.) organisierten Tall Ships’ Races in der Ostsee mit Zielhafen Klaipeda an.

Geschichte und Geschichten von betagten und jungen Schiffen.
Jeder der mehr als 200 teilnehmenden Traditionssegler und Museumsschiffe zur 19. Hanse Sail hat seine eigene Geschichte. Die Erkundung der spannenden Geschichten um das eine oder andere Schiff ist bei einem der gefragten Mitsegeltörns besonders reizvoll. Dabei klingt so manche Schiffsbiografie wie ein Wunder, auch weil Liebhaber mitunter in fast aussichtsloser Situation die Segler zu neuem Leben erweckt haben.

Und so haben nicht nur die Windjammer, sondern auch die vermeintlich „Kleinen“ auf der Hanse Sail einen besonderen Stellenwert, zumal, wenn sie Geburtstag haben. Zum Beispiel der Kutter „Palaemon“, der 60 Jahre alt wird, der Fischkutter „Greif“ (70), die Klassische Yacht „Ingorata“ (80) oder die Pommersche Jagt „Hoffnung“ und der Gaffelrennkutter „Nobile“ (beide 90). 100-jähriges Jubiläum feiert der schwedische Dreimast-Schoner „Vega Gamleby“, und der Haikutter „Hansine FN 121“ wird 111 Jahre alt.

Aber auch die erst in den letzten Jahren erbauten Schiffe, so die Repliken mittelalterlicher Koggen, wie die „Hansekogge“ aus Kiel (1991) oder die Poeler Kogge „Wissemara“ (2006) werden bei der 19. Auflage des maritimen Festes für Aufsehen und Anerkennung sorgen. Sie kreuzen 2009 im Zeichen eines besonderen Jahrestages: Im Jahr 1259, also vor 750 Jahren, wurde das „Wendische Quartier“ begründet – ein wichtiges Fundament für die spätere Hanse.

Eine maritime Besonderheit auf der Sail ist auch der 22 Meter lange Kielkreuzer „Wappen v. Ueckermünde“ (2007) mit dem Beinamen „Rolli-Segler“. Er ist der erste behinderten- und rollstuhlgerechte Großsegler in Deutschland.

Maritimes Volksfest an der „Waterkant“
Die Hanse Sail findet vor allem auf dem Wasser vor Warnemünde oder im Segelstadion statt und lässt sich hervorragend aus der Luft mit einem Seeflugzeug oder Hubschrauber erkunden. Sie ist auch ein pralles Volksfest direkt an der „Waterkant“. Im Rostocker Stadthafen und am Passagierkai in Warnemünde gibt es eine große Vielfalt. Von Rock und Pop auf den zahlreichen Bühnen, vom Riesenrad bis zum Kinderkarussell, oder von „Krachern“, wie dem 10. Kanonierstreffen und den beiden Höhenfeuerwerken am Samstag-Abend (8. August) bis zu stillen Aktionen der Briefmarken-Freunde, die mit der „HansePhil“ das Rostocker Fest jedes Jahr bereichern. Der traditionelle internationale Markt wird in diesem Jahr „dänisch“ geprägt sein. Der nördliche Nachbar Deutschlands ist 2009 das Partnerland der Hanse Sail.