Sonderausstellung im Küstenmuseum Wilhelmshaven: Auf zwei Rädern ins Wirtschaftswunder – Räder, Roller und Mopeds der Achilles-Werke Wilhelmshaven 07.12.2008 - 19.04.2009

Mobil zu sein wurde in den Fünfziger Jahren zu einer Selbstverständlichkeit. Doch nicht der Autokauf, sondern die zunächst günstigere Anschaffung eines Mopeds, Rollers oder Motorrads bedeutete für viele Bundesbürger, nicht mehr mit Bus und Bahn fahren oder in die Pedale treten zu müssen. Zu der in der Nachkriegszeit boomenden Zweiradindustrie gehörten auch die Achilles-Werke Wilhelmshaven. Motorroller, Mopeds und Fahrräder aus der Produktion der „Achilles Werke Weikert und Co. KG“ stehen erstmals im Mittelpunkt einer Ausstellung. Die Präsentation im Küstenmuseum zeichnet die Geschichte der Zweiradfabrik nach und wirft einen Blick auf das Lebensgefühl der 50er Jahre, als die Massenmotorisierung begann.

Nach Vertreibung und Enteignung baute Ernst Weikert die ursprünglich aus dem böhmischen Oberpolitz stammenden Achilles-Werke in Wilhelmshaven wieder auf. 1948 begann die Produktion mit Fahrradzubehör. Es folgten Fahr-räder mit und ohne Hilfsmotor und 1952 kooperierte Weikert mit Schweizer Konstrukteuren zum Bau des Achilles-Sport-Motorroller, der ab 1953 für Furore sorgte. Das kleine Werk in Wilhelmshaven-Langewerth kümmerte sich intensiv um die Vermarktung und den deutschlandweiten Vertrieb seiner Fahrzeuge. 1953 sind die Achilles-Werke auch auf der IFMA (Internationale Fahrrad- und Motorradausstellung in Frankfurt) vertreten. Sie bewerben dort nicht nur ihren „sicheren, sparsamen, schnellen und sauberen“ Motorroller, sondern auch das Moped-Modell „ A 7“, als auf dieser Messe erstmals das Moped als neuer Kraftradtyp mit Motor und Pedale öffentlich etabliert wird. Eine verbesserte Konstruktion kommt ein Jahr später als Modell „Capri“ auf den Markt, und 1956 entsteht eine eigenwillige Moped-Neukonstruktion namens „Lido“. Dann jedoch eroberten mit zu nehmenden Wohlstand die Autos die Straßen und der Zusammenbruch der Zweiradindustrie erfolgt. Trotz der damals hoch gelobten Fahreigenschaften der Fahrzeuge mussten auch die Achilles-Werke ihre Produktion 1957 einstellen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung in Wilhelmshaven steht rund ein Dutzend prächtiger Zweiradoldtimer aus den Beständen verschiedener Privatsammler. Dazu zählen die Modelle „Capri“ und „Lido“ in unterschiedlichen Ausführungen sowie der Motorroller in den Lackierungen Altgold, Schwarz und Rot. Außerdem ist ein
Roller-Gespann mit Seitenwagen und ein seltener Prototyp des Sport-Motorrollers zu bestaunen. Fahrräder komplettieren die Produktpalette der Achilles-Werke. Darüber hinaus ergänzen Schutzbekleidung, Fotos, Werbeprospekte, Plakate und Zeitzeugeninterviews die Firmengeschichte. Eine spektakuläre Deutschlandfahrt mit sechs Motorrollern und siegreiche Rennfahrten auf dem Nürburgring dokumentieren die eindrucksvollen Vermarktungsstrategien der Werke. Aus dem motorisierten Alltag der 1950er Jahre schildern Zeitzeugen die selbstbestimmte Fahrt zum Arbeitsplatz oder schwärmen von der Reise mit dem Roller über die Alpen zum Campingurlaub nach Italien. Außerdem gehört das Moped zusammen mit Rock ’n’ Roll, Jeans und Lederjacke zum Image der „Halbstarken“. Das oftmals frisierte Moped, für das man keinen Führerschein brauchte, löste auch bald eine Diskussion um die Sicherheit im Straßenverkehr aus, da es oft an Unfällen beteiligt war. All dies greift die Aus-stellung auf und macht ein Stück des Lebensgefühls der Fünfziger Jahre le-bendig.

Küstenmuseum Wilhelmshaven
Weserstraße 58
Fax.: 04421 7792785
www.kuestenmuseum.de